Seelogramm

Künstler: Matthias Claudius Aigner
Jahr: 2006
Technik: Bronzeguss
Maße: Höhe: 85 cm

Matthias Claudius Aigner (*1971) ist ein österreichischer Bildhauer, Maler und Zeichner. Er lebt und arbeitet in Linz. Sein Werk ist geprägt von einer reduzierten, konzentrierten Bildsprache und einer kompromisslosen Haltung gegenüber Material und Form.

Im Zentrum seiner Arbeit steht der Mensch. Aigner interessiert nicht das Abbild, sondern das Innere: Spannung, Prägung, Verletzlichkeit. Seine Arbeiten entstehen aus dem direkten Tun und aus der Auseinandersetzung mit dem Material. Leinwand und Farbe ebenso wie Ton, Bronze, Holz, Beton oder Stein leisten Widerstand – und genau dar aus entwickelt sich die Form. Entscheidungen ergeben sich im Prozess, nicht aus einem vorgefertigten Entwurf. Spuren, Brüche oder Unebenheiten bleiben sichtbar und sind Teil der Aussage. Oberfläche und Form bleiben offen, roh und unmittelbar.

Thematisch kreisen seine Arbeiten um Identität, Erinnerung, innere Zustände und das Zwischenmenschliche. Persönliche, mythologische und religiöse Bezüge dienen da bei nicht der Erzählung, sondern der Verdichtung existenzieller Fragen. Aigner sucht nicht Ähnlichkeit, sondern Präsenz. Seine Arbeiten wirken still, konzentriert und gegenwärtig. Sie sind präzise Studien menschlicher Existenz.

Die Bronzeplastik mit dem Titel Seelogramm greift thematisch die Seelenwelt des Künstlers Matthias Claudius Aigner auf und entfaltet sich als vielschichtige, vertikal aufgebaute Skulptur. Auf einem massiven Sockel erhebt sich eine (un)menschliche Büste, deren Materialität und Bearbeitung an Stein oder aufgesprungene Erde erinnern. Die Oberfläche ist stark strukturiert, jede Furche ist sichtbar und verleiht dem Fundament eine erdige, archaische Wirkung.

Aus diesem Sockel wächst eine zentrale Büste hervor. Der Kopf mit geschlossenen Augen, platter Nase und vollen Lippen wirkt archaisch, beinahe monströs und zugleich in sich gekehrt. Er ist eingebettet zwischen zwei seitlich angesetzten Gesichtshälften, die mit leerem, starrem Blick wie Masken erscheinen. Diese gespaltene Physiognomie erzeugt Spannung: innen und außen, Selbstbild und Fremdbild, Lebendigkeit und Erstarrung stehen sich gegenüber.

Nach oben hin öffnen sich die Formen zu deutlich modellierten Gehirnwindungen. Sie drehen sich spiralförmig, verdichten und lösen sich zugleich, bis sie in einer weiteren Figur gipfeln. Diese erscheint als Künstlergestalt mit breitkrempigem Hut und Farbpalette – eine deutliche Referenz an den Vater des Künstlers, Fritz Aigner. Mit breitkrempigem Hut mit Loch und einer Farbpalette er innert die Darstellung bewusst an Rembrandt und verweist auf das künstlerische Vorbild des Vaters.

Zu Füßen dieser Figur sitzt eine nackte junge Frau mit offenem Haar. Ihre ruhige, intime Haltung bildet einen bewussten Kontrast zur dynamischen, aufgewühlten Struktur darüber und schafft eine Verbindung zur darunterliegenden Kopfform.

Der Titel Seelogramm, abgeleitet vom Begriff „Diagramm“, versteht sich als ein lineares Abbild der Seele – so soll es gelesen werden. Ein Abbild dessen, was im Inneren des Künstlers vorgeht. Seine Gedanken, seine Prägung, sein Zwiespalt – alles das, was die Seele eines Menschen ausmacht.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

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