Nackte Frau

Künstler: Fritz Aigner
Jahr: 1973
Technik: Radierung
Maße: 32,5 x 25 cm
Abgebildet in: Hannes Etzlstorfer, Fritz Aigner – Wunderkind und Malmaschine. Brand­stät­ter Verlag. Wien 2010, S. 275

Fritz Aigner malt Erotik nicht, um zu gefallen. Er malt sie, weil sie ihn umtreibt. Seine Bilder sind keine stillen, ästhetischen Akte im klassischen Sinn. Sie zeigen einen verstohlenen Blick auf lüsternes Begehren – und zwingen zugleich zur direkten Teilnahme an intimen Momenten.

Nacktheit ist bei Aigner Rohheit. Der Körper erscheint nicht idealisiert, nicht geschönt, sondern direkt, offen, manchmal schonungslos. Haut ist Haut. Fleisch ist Fleisch. Viele Darstellungen sind detailgetreu ausgearbeitet, fast fotografisch genau. Der Blick des Künstlers verschont nichts. Brüste, Unterleib, Behaarung, Berührungen – alles ist sichtbar. Diese Genauigkeit bringt seine Bilder nahe an die Grenze des Pornografischen. Und genau dort hält Aigner sie fest.

Erotik ist bei Aigner selten romantisch. Sie ist roh, manchmal unbequem. Erotische Fantasien, Obszönitäten und beinahe pornografische Szenen versteckt er häufig in phantastischen, überhöhten Bilderwelten. Farben, Masken, fremde Kostüme oder surreal wirkende Räume legen sich wie ein Filter über das Geschehen. Die Rohheit der Darstellung wird dadurch gemildert, aber nicht aufgehoben. Die Bilder sprechen trotzdem unmittelbar an – nicht nur intellektuell, sondern auch körperlich.

Der Blick spielt eine zentrale Rolle. In vielen Werken wird geschaut, beobachtet und gewertet. Figuren stehen einander nackt gegenüber oder werden von Dritten betrachtet. Auch der Künstler selbst taucht häufig im Bild auf – als Maler, als Beobachter, als Akteur. Nähe wird so öffentlich, Intimität zum Schauspiel. Erotik entsteht nicht nur durch den Körper, sondern durch das Wissen, gesehen zu werden. Aigner bezieht damit auch den Betrachtenden ein: Er wird Teil des Geschehens, zum Voyeur – und zeigt so, wie sehr Sexualität zugleich im Stillen begehrt und im Außen verurteilt wird.

Eine nackte Frau steht frontal im Bildraum. Die Arme sind nach oben gelegt, der Körper offen, vollständig sichtbar. Ihr Blick ist ruhig und selbstsicher. Sie präsentiert sich – dem Betrachter ebenso wie dem Künstler, der sich im Hintergrund zu ihr wendet. Auch er ist nackt. Er steht mit dem Rücken zur Szene, nur der Kopf ist zur Frau gedreht. Sein Blick gilt eindeutig ihr.

Im Hintergrund arbeitet er an einem Gemälde, doch bleibt offen, was er malt. Ob die Frau Teil des entstehenden Bildes ist, oder ob sie den Künstler in seiner Arbeit stört, wird nicht deutlich. Sicher ist nur: Sei ne Aufmerksamkeit hat sich von der Lein wand gelöst und auf den realen Körper vor ihm gerichtet.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

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