Es war einmal ein kleines schwarzes Schaf

Künstler: Zorica Nikolic Aigner
Jahr: 2024
Technik: Acryl auf Leinwand
Maße: 100 x 140 cm

Auch im Werk Es war einmal ein kleines schwarzes Schaf stellt Zorica Nikolić Aigner ein Tier ins Zentrum, das weit mehr ist als ein bloßes Motiv. Das Schaf erscheint frontal, monumental und bildfüllend. Sein dichtes, dunkelblau schimmerndes Fell wirkt beinahe ornamental. Die mächtigen, goldfarbenen Hörner rahmen den Kopf ein.

Der Blick ist wütend, beinahe aggressiv und direkt auf den Betrachter gerichtet. Als wäre das Tier jederzeit zum Sprung bereit. Es wirkt nicht defensiv, nicht erklärend, nicht bittend. Es steht da – präsent, standhaft, unbeirrbar. Alles an dieser Erscheinung ist auf Konfrontation angelegt.

Der Titel verweist auf das sprichwörtliche „schwarze Schaf“, das gesellschaftlich als Außenseiter markiert wird. Doch das Bild widerspricht dieser Zuschreibung entschieden. Das Tier erscheint weder schwach noch verloren. Im Gegenteil: Es strahlt Stärke, Würde und Selbstbehauptung aus. Das vermeintlich Abweichende wird hier nicht marginalisiert, sondern bewusst ins Zentrum gerückt.

In dieser Umkehr liegt die Spannung des Werks. Nicht das schwarze Schaf ist das Problem – sondern die Masse der weißen. Gewöhnlich zu sein erscheint leicht, fast zu bequem. Anders zu sein hingegen erfordert Haltung. Zorica Nikolic Aigner macht das Unangepasste sichtbar, ohne es zu romantisieren oder zu erklären. Das Tier steht einfach da, blickt aus dem Bild heraus – wachsam, konzentriert, sprungbereit.

Erst in diesem Kontext entfalten die mächtigen, goldfarbenen Hörner ihre Bedeutung. Sie rahmen den Kopf ein wie eine Krone. Nicht als dekoratives Zeichen, sondern als Symbol einer Würde, die nicht verliehen wird. Sie stehen für Selbstsicherheit und Selbstbewusst sein – für eine Haltung, die man sich erarbeitet, nicht erhält.

Und so wird das Werk zu einem stillen, aber unmissverständlichen Kommentar über Gesellschaft, Normierung und Individualität. Es erzählt kein Märchen mit moralischem Zeigefinger, sondern formuliert eine klare Haltung: Nicht das Anderssein ist erklärungsbedürftig. Das Gleichsein ist es.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

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