Die Kerzenleuchterin

Künstler: Matthias Claudius Aigner
Jahr: 2022
Technik: Kirschholz, Bronzeguss mit Glassockel, Steinguss
Maße: Höhe: 40 cm

Matthias Claudius Aigner (*1971) ist ein österreichischer Bildhauer, Maler und Zeichner. Er lebt und arbeitet in Linz. Sein Werk ist geprägt von einer reduzierten, konzentrierten Bildsprache und einer kompromisslosen Haltung gegenüber Material und Form.

Im Zentrum seiner Arbeit steht der Mensch. Aigner interessiert nicht das Abbild, sondern das Innere: Spannung, Prägung, Verletzlichkeit. Seine Arbeiten entstehen aus dem direkten Tun und aus der Auseinandersetzung mit dem Material. Leinwand und Farbe ebenso wie Ton, Bronze, Holz, Beton oder Stein leisten Widerstand – und genau dar aus entwickelt sich die Form. Entscheidungen ergeben sich im Prozess, nicht aus einem vorgefertigten Entwurf. Spuren, Brüche oder Unebenheiten bleiben sichtbar und sind Teil der Aussage. Oberfläche und Form bleiben offen, roh und unmittelbar.

Thematisch kreisen seine Arbeiten um Identität, Erinnerung, innere Zustände und das Zwischenmenschliche. Persönliche, mythologische und religiöse Bezüge dienen da bei nicht der Erzählung, sondern der Verdichtung existenzieller Fragen. Aigner sucht nicht Ähnlichkeit, sondern Präsenz. Seine Arbeiten wirken still, konzentriert und gegenwärtig. Sie sind präzise Studien menschlicher Existenz.

Drei weibliche Figuren stehen nebeneinander auf einem steinernen Sockel. Nackt, aufrecht, mit erhobenen Armen tragen sie je eine Kerze. Ihre Haltung ist identisch, ihre Erscheinung jedoch grundverschieden. Matthias Claudius Aigner zeigt hier kein Motiv der Variation um der Form willen, sondern das Zusammenspiel von Material, Bedeutung und Wahrnehmung.

Den Ausgangspunkt bildet die mittlere Figur aus Kirschholz. Sie entstand 2022, kurz bevor Wladimir Putin seine Truppen an den Grenzen der Ukraine aufstellen ließ. Ursprünglich hielt die Figur einen Becher über dem Kopf. Mit Beginn des Krieges stellte Aigner eine Kerze hinein. Aus der Figur wurde eine Lichtträgerin – der erste weibliche Kerzenhalter.

Die Holzfigur wirkt roh, lebendig, von sichtbaren Spuren der Bearbeitung geprägt. Das Material bewahrt eine Nähe zum Organischen, zum Körperhaften, zum Ursprung. Die Nacktheit ist keine Idealisierung, sondern Ausdruck von Schutzlosigkeit. Die Figur hält das Licht für den Frieden, für die Kinder und für ihre Mütter. Sie trägt keine Macht, kein Zeichen der Stärke – nur das Licht.

Dieses Motiv erscheint auch im Holzschnitt Die Kerzenleuchterin, der ebenfalls kurz vor Kriegsausbruch entstand und sich heute in der Sammlung Lummerstorfer befindet. Skulptur und Druckgrafik bilden gemeinsam ein stilles, konsequentes Bildzeichen.

Links steht die Figur in Bronze. Dunkel, schwer, mit dichter Oberfläche vermittelt sie Dauer, Gewicht und historische Tiefe. Um das skulpturale Symbol in den Alltag überführen zu können – ohne Brandgefahr – wurde die Figur in Bronze gegossen und mit einem stabilisierenden Glassockel versehen. Die Bronze bewahrt die Form, verleiht ihr Beständigkeit und macht sie dauerhaft handhab bar. Durch das Material wirkt die Form geerdet, beinahe archaisch.

Rechts schließlich die vergoldete Figur. Gold reflektiert das Licht, zieht den Blick an, erzeugt Distanz und Erhabenheit. Sie erscheint entrückt, fast ikonisch. Das Material transformiert den Körper in ein Zeichen von Wert, von Sakralität, von Projektion. Das Menschliche tritt zurück, das Symbolische tritt hervor.

Die Kerzen selbst sind Träger des Lichts – eines Lichts, das vergänglich ist. Wachs schmilzt, Flammen verlöschen. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Dauer und Vergänglichkeit, zwischen Körper und Symbol, zwischen Verletzlichkeit und Hoffnung.

Aigner inszeniert hier keine Hierarchie. Keine Figur ist wichtiger als die andere. Erst im Zusammenspiel entfaltet sich das Werk. Es ist eine stille Reflexion über das Material als Be deutungsträger, über den menschlichen Körper als Träger des Lichts und über das Licht selbst als flüchtigen Moment, der alles verbindet und zugleich vergeht.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

Brückenstraße 15
A-4191 Vorderweißenbach

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Fr: 16:00 – 24:00 Uhr

Sa: 08:00 – 24:00 Uhr

So: 08:00 – 24:00 Uhr

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