Rembrandt im Spiegel

Künstler: Fritz Aigner
Jahr: 1979
Technik: Öl auf Holz (Faksimile. Original im Archiv der Oberösterreichischen Versicherung AG)
Maße: 72,5 x 149 cm

Im Gemälde Rembrandt im Spiegel. Der Malerspiegel oder die Himmelfahrt meiner Mutter Maria für Horst Helmreich tritt Fritz Aigner dem niederländischen Barockmeister Rembrandt unmittelbar gegenüber. Kein zeitlicher Abstand, keine historische Distanz – beide treten einander auf Augenhöhe entgegen. Zwischen den beiden Malern steht ein Spiegel, der nicht als bloßes Reflexionsmedium dient, sondern als zentrales Bildmotiv und verbindendes Element.

In seiner Mitte erscheint ein zweigeteiltes, weinendes Gesicht. Es entzieht sich jeder eindeutigen Zuordnung und wird zum eigentlichen Zentrum des Bildes. Die linke Spiegelhälfte ist in kühlen Blautönen gehalten, die rechte in warmen Rottönen. Während die blaue Seite Brille und Bart zeigt – Merkmale, die auf den Künstler selbst verweisen – fehlen diese Attribute auf der rechten Seite. Ob hier zwei Personen aufeinandertreffen oder sich Aigner und Rembrandt im Spiegel über lagern, bleibt bewusst offen. Gerade diese Ungewissheit erzeugt Spannung und hält den Blick fest.

Im unteren Vordergrund platziert Aigner zwei wiederkehrende Motive seines Œuvres: ein Glas und ein Ei. Das Glas verweist auf Rauschzustände, in denen zahlreiche seiner Arbeiten entstanden sind. Das Ei steht als Symbol für schöpferische Kraft, Ursprung und künstlerisches Potenzial – auf den Anfang ebenso wie auf die Möglichkeit von Erneuerung.

Der obere Bildraum öffnet sich zu einer düsteren, dramatisch inszenierten Himmelfahrtsszene. Engel steigen von beiden Seiten gen Himmel auf. Figuren und Skulpturen im Hintergrund begleiten das Geschehen mit stark fließenden Tränen und verstärken die emotionale Intensität der Darstellung. Es ist kein triumphaler Aufstieg. Die Szene wirkt schwer, schmerzlich – keine Erlösung, sondern ein schwerer Abschied.

So verdichtet sich das Gemälde zu einer vielschichtigen Bildkomposition, in der persönliche Erfahrung, kunsthistorische Referenzen und symbolische Bildsprache ineinandergreifen. Rembrandt im Spiegel zeigt Aigners Auseinandersetzung mit dem großen Vorbild Rembrandt ebenso wie mit der eigenen Rolle als Künstler – zwischen Identifikation und Abgrenzung, Nähe und Distanz, Spiegelung und Selbstbefragung.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

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