Der Linzer Turm

Künstler: Fritz Aigner
Jahr: 1989
Technik: Druckplatte Eisen
Maße: 63 x 74,5 cm

Der Linzer Turm ist ein zentrales Motiv im Werk von Fritz Aigner. Auf der Druck platte aus Eisen von 1989 erhebt sich ein monumentaler, architektonisch übersteigerter Bau über der Stadt Linz. Der Turm wirkt wie eine Vision aus Stein und Technik – zugleich bedrohlich und faszinierend. Er nimmt Bezug auf die gigantischen Baupläne der NS-Zeit, die für die Linzer Innenstadt geplant waren, und steht sinnbildlich für den damaligen Größenwahn.

Links im Bild ist die Nibelungenbrücke zu erkennen. Sie führt wie eine Zugbrücke direkt auf den Turm zu und verbindet Stadt und Monument. Der Bau scheint alles zu überragen, die Stadt zu dominieren. In die Architektur integriert Aigner drei Gesichter. Ganz oben erscheint das Antlitz Rembrandts, seines großen künstlerischen Vorbilds. Der breitkrempige Hut weist ein Loch auf – ein Verweis auf Aigners sogenannten „Trick mit dem Licht“, den er mit Rembrandts Malerei verbindet. Licht fällt nicht von außen, sondern entsteht aus einer gezielten Öffnung.

Der Kunsthistoriker Heinz Dieckmann beschreibt den Turm als doppeldeutiges Symbol: „Der Turm selbst erinnert einerseits an die überkandidelten Pläne, die Hitler mit Linz vorhatte … Andererseits ist dieser Turm Symbol für den ganz alltäglichen Größenwahn der Linzer, für die Maßlosigkeit und Unmenschlichkeit der Linzer Industrie, und da Linz überall ist … Aigner krönt seinen Turm mit einem riesigen Rembrandtkopf. Ein gewalttätiger Versuch, dem Unmenschlichen, Mechanischen, Größenwahnsinnigen die Erinnerung an eine bessere Welt aufzupfropfen. Das göttliche Licht fällt diesmal durch ein Loch in der Hutkrempe: ein ironisches Selbstzitat. Immerhin vertraut Aigner auf die Unverwüstlichkeit der Kunst.“ – Heinz Dieckmann (Fritz Aigner, 1989, S.56)

Im unteren Bildbereich öffnen sich weitere Erzählebenen. Rechts stehen mehrere Figuren, drei davon deutlich hervorgehoben. Bei der linken handelt es sich um den spätmittelalterlichen Künstler Al brecht Altdorfer, ein weiteres wichtiges Vorbild Aigners. Er befindet sich im Austausch mit zwei weiteren Männern – Vergangenheit im Gespräch mit der Gegenwart. Links im Bild, unter einer hoch auf ragenden barocken Säule, drängen sich kleinere Figuren, Fahnen träger und Fanfarenspieler.

Der untere Teil des Bildes ist von Geschichte und Erinnerung geprägt. Der riesige Turm im Hintergrund hingegen steht für eine bedrohliche Zukunftsvision. Dazwischen fließt die Donau – als Grenze, als Trennlinie zwischen Zeiten, Ideen und Weltbildern. Der Linzer Turm wird so zu einem Bild über Macht, Erinnerung und die Frage, wohin der Weg gehen kann.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

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