Im Theatercasino

Künstler: Fritz Aigner
Jahr: 1988
Technik: Radierung
Maße: 29,5 x 39,7 cm
Abgebildet in: Hannes Etzlstorfer, Fritz Aigner – Wunderkind und Malmaschine. Brand­stät­ter Verlag. Wien 2010, S. 268

Die Gesellschaftsbilder von Fritz Aigner zeigen keine heile Welt. Sie führen uns in Wirtshäuser, Bars, Keller und nächtliche Treffen – dorthin, wo Menschen trinken, reden, begehren und sich gehen lassen. Was auf den ersten Blick nach Geselligkeit aussieht, kippt bei genauerem Hinsehen rasch ins Unruhige, Spannungsvolle, manchmal auch Absurde oder Unheimliche.

Aigner interessiert nicht das höfliche Miteinander, sondern der Moment, in dem die Masken fallen. Seine Figuren sitzen dicht beisammen, beobachten und mustern einander, greifen nach Gläsern, reden miteinander – oder übereinander. Ihre Blicke erzählen von Spaß, Überdruss und Lust, aber auch von Rausch und Müdigkeit. Erotik ist oft präsent, aber nie unschuldig. Sie ist ein Spiel aus erotischem Begehren und Obszönität, zwischen Anziehung und Grenzüberschreitung. Die dargestellten Szenen sind Momentaufnahmen aus nächtlichen Gesellschaften – eine zu Bild gebrachte Beobachtung aus dem, was dort passiert, gespickt mit berauschter Phantasie.

Häufig ist Aigner selbst Teil des Geschehens. Er erscheint als Trinkender, als stiller Beobachter oder als Beteiligter. Damit macht er deutlich: Er steht nicht außerhalb der Gesellschaft, die er zeigt. Er ist Teil davon. Seine Bilder sind keine moralischen Urteile, sondern präzise, oft schonungslos ehrliche Bestandsaufnahmen menschlichen Verhaltens.

Typisch ist die Fülle der Darstellungen. Viele Figuren, viele Gesten, viele Details drängen sich in einem Bild. Erst beim längeren Hin sehen öffnen sich weitere Ebenen: überzeichnete Proportionen, symbolische Gegenstände, ironische Hinweise. Gläser, Kerzen oder Möbel werden zu stillen Mitspielern der Szene.

Technisch sind diese Arbeiten präzise und kraftvoll. Alles wirkt real – und doch leicht verschoben. Genau in dieser Spannung liegt ihre Wirkung. Aigners Gesellschaftsbilder wollen nichts erklären. Sie laden ein, genau hinzusehen. Wer sich auf sie einlässt, entdeckt nicht nur fremde Figuren in dunklen Räumen, sondern erkennt vieles wie der, was zum Menschsein gehört – unangenehm, ehrlich und überraschend nah.

In der Radierung Im Theatercasino (1988) zeigt Fritz Aigner eine dicht gedrängte Gesellschaft in einem überfüllten Innenraum. Figuren sitzen, stehen, lehnen sich vor, beugen sich über Tische. Gläser, Flaschen und Lampen strukturieren die Szene und führen den Blick durch das Gewimmel.

Nichts wirkt geordnet. Gesichter drängen sich ineinander, manche grotesk verzerrt, andere erschreckend nah. Gespräche scheinen gleichzeitig stattzufinden, Blicke kreuzen sich, gehen ins Leere oder treffen den Betrachter direkt. Der Raum wirkt laut, stickig, voller Bewegung – und doch wie angehalten in einem einzigen Moment.

Aigner zeigt kein einzelnes Erlebnis, sondern einen Zustand: Beobachten und Beobachtet werden zugleich, Teil dieser Gesellschaft zu sein und ihr dennoch gegenüberzustehen. Das Bild lädt ein, nicht alles auf einmal erfassen zu wollen, sondern sich treiben zu lassen – von Gesicht zu Gesicht, von Geste zu Geste, mitten hinein in diese flirrende, menschliche Verdichtung.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

Brückenstraße 15
A-4191 Vorderweißenbach

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Fr: 16:00 – 24:00 Uhr

Sa: 08:00 – 24:00 Uhr

So: 08:00 – 24:00 Uhr

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