Der Morgen eines Säufers

Künstler: Fritz Aigner
Jahr: 1979
Technik: Öl auf Holz (Faksimile. Original im Archiv der Oberösterreichischen Versicherung AG)
Maße: 296 x 177 cm
Abgebildet in: Hannes Etzlstorfer, Fritz Aigner – Wunderkind und Malmaschine. Brand­stät­ter Verlag. Wien 2010, S. 231

Schon durch sein großformatiges Ausmaß entfaltet Der Morgen eines Säufers eine eindringliche Präsenz. In kräftigen Rot- und Orangetönen gehalten, wirkt das Bild wie aufgeheizt – als trüge es den Rausch der vorausgegangenen Nacht noch in sich. Der Blick wird sofort von der Vielzahl surrealer, phantastischer und teils obszöner Szenen gefesselt, die sich gleichzeitig auf der Leinwand entfalten und ein dichtes inneres Panorama bilden.

Im Zentrum sitzt der Säufer mit nacktem Oberkörper. In seinen Händen hält er eine Gitarre, deren Korpus in die Form einer nackten Frauenbrust übergeht. Musik und Körper verschmelzen zu einem einzigen Objekt der Begierde. Lust, Rausch und Selbstverlust sind hier untrennbar verbunden. Auf seinem Kopf trägt der Säufer einen Hut in Form eines tönenden Weckers: eine Fratze statt eines Zifferblatts, dessen Zahlen wie Wasser in ein reich verziertes Glas darunter tropfen. Zeit, Schuld und Erwachen werden hier nicht gemessen, sondern verrinnen.

Um ihn herum verdichten sich traumartige, fragmentarische Szenen: groteske Gestalten, nackte Frauen und hybride Wesen tauchen auf wie Bilder eines delirierenden Bewusstseins. Es ist ein Kampf zwischen Erotik und Obszönität. Das Gemälde zwingt dazu, sich im Detail zu verlieren: Alles wirkt gleichzeitig, überlagert sich, widerspricht jeder linearen Erzählung.

Der Morgen, den der Titel benennt, ist kein Neubeginn. Er ist das Fortwirken der Nacht. Aigner zeigt keinen moralischen Kommentar, sondern einen inneren Zustand: zerrissen, lustgetrieben, über reizt – mit einem zufriedenen Lächeln schwelgend in einer surrealen Traumwelt

Schmankerlwirt
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