Dieses Bild ist ein Angriff – nicht mit Waffen, sondern mit Farbe. Fritz Aigner inszeniert hier einen grotesken Luftkampf, der sich über seine Malpalette entfaltet und die selbst zur Landschaft wird. Die Ölfarben quellen, schichten sich, formen Hügel und Ebenen. Dahinter öffnet sich die Kulisse eines Gebirgsmassivs. Aus dieser farbigen Topografie erhebt sich der Himmel, dessen dramatische Farbigkeit das Geschehen im Vordergrund verstärkt. Flugzeuge stürzen ab, brennen, explodieren. Bomben fallen – doch statt Zerstörung regnet es Farbe. Krieg wird Malerei.
Irritierend wirkt das gelbe Himmelsgebilde, aus dem braune Farbe ausgeschüttet wird. Es erinnert bewusst an ein menschliches Gesäß und entlarvt das Pathos des Krieges als etwas Lächerliches, Peinliches, Absurdes. Das Bombardement verliert seine heroische Würde. Aigner nimmt dem Krieg jegliche Erhabenheit.
Im Zentrum erscheint ein General mit viel zu großem Helm, einem fahrigen Lorbeerkranz und dümmlichem Lächeln. Hinter ihm der Direktor: ein Totengesicht mit deutlich erkennbaren Gesichtszügen von Hitler. Der scheinbare Sieg bekommt einen morbiden Beigeschmack. Nicht Macht oder Ruhm triumphieren, sondern der Tod. Aigner verarbeitet hier Erinnerungen an die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges, die seine Kindheit geprägt haben.
Im Vordergrund des Werkes hält der Künstler selbst die Farbpalette in der Hand. Phantastische Pinsel und Werkzeuge ragen ins Bild. Die Perspektive hier ist entscheidend: Der Blick kommt von oben, man sieht den nackten Bauch und Füße des Malers. Der Betrachter steht genau dort, wo Aigner steht – mitten im Geschehen, als Maler, als Schöpfer, als Verantwortlicher. Links öffnet sich ein weiteres Bild im Bild: ein Selbstporträt Aigners, das aus dem Gemälde herausblickt. In seinem Kopf ein schwarzes Loch. Dahinter ein Gemälde mit dem Gesicht Rembrandts. Vergangenheit und Gegenwart, Vorbild und Selbsterkenntnis, verschränken sich hier zu einem kritischen Kommentar.
Dieses Werk ist Satire, Selbstreflexion und Anklage zugleich. Aigner zeigt deutlich: Die eigentliche Macht liegt nicht im scheinbaren Sieg des Generals, sondern bei dem, der den Pinsel in der Hand führt.
Schmankerlwirt
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