Das vertikale, abstrakte Gemälde von Hanna Födermayr aus dem Jahr 2004 wird von vier kräftigen, geschwungenen Farbelementen dominiert. In einer fließenden Bewegung trägt die Künstlerin pastose, rote Acrylfarbe auf die Leinwand auf. Der Farbauftrag wirkt körperlich und unmittelbar.
Durch den Einsatz einer Spachtel oder Maurerkelle entstehen dichte Strukturen, die die einzelnen Schwungelemente beinahe plastisch erscheinen lassen. Ergänzt wird dieser kraftvolle Farbauftrag durch Spritzer und Schleuderspuren, die sich diagonal über die Bildfläche ziehen. Sie verleihen dem Werk eine zusätzliche Dynamik und lassen den Malprozess selbst sichtbar werden. Die Entstehung des Bildes bleibt nicht verborgen, sondern wird Teil seiner Wirkung.
Die expressive Farbwahl und die gestische Malweise erinnern an Positionen des österreichischen Aktionismus, insbesondere an die Schüttbilder von Hermann Nitsch. „Rot ist die intensivste Farbe, weil sie die Farbe des Lebens und des Todes gleichzeitig ist“, so der österreichische Künstler, der nicht nur mit roter Farbe, sondern auch mit Blut gearbeitet hat.
Auch in Födermayrs Arbeit bleibt die Farbe ambivalent. Rot steht hier gleichermaßen für Energie, Leidenschaft und Aggression wie für Gefahr und Verletzlichkeit. Das Bild verzichtet auf eine konkrete Darstellung und öffnet stattdessen einen Raum für Assoziationen, in dem körperliche Präsenz, Bewegung und Vergänglichkeit spür bar werden.