Im Ölgemälde The blue and the red lobster für Anni Bönisch zeigt Fritz Aigner ein vielschichtiges Selbstporträt, das persönliche Symbolik, kunsthistorische Bezüge und eine dichte Bildatmosphäre miteinander verbindet.
Der Künstler erscheint als Mischwesen aus Mensch und roter Krabbe. Sein Gesicht ist dem Betrachter zugewandt, der Blick wach, fast herausfordernd. In den kräftigen Scheren hält er einen Pinsel – Malerei ist hier kein äußeres Handwerk, sondern Teil des eigenen Körpers, Teil der Identität.
Die Szene spielt sich auf einer Meeresbühne ab. Um die zentrale Figur liegen tote Fische, stumme Zeugen von Vergänglichkeit und Stillstand. Eine weitere, blau gefärbte Krabbe tritt hinzu und setzt deutlich einen Gegenpol zur roten Gestalt des Künstlers. Die Anordnung erinnert deutlich an Fischmarkt- und Stilllebendarstellungen des 17. Jahrhunderts, wie sie aus der niederländischen und flämischen Malerei bekannt sind. Aigner greift diese Bildtradition auf, löst sie jedoch aus ihrem alltäglichen Zusammenhang und überführt sie in eine existenzielle, innerlich aufgeladene Szenerie. Im Hintergrund öffnet sich über dem Meer ein dramatischer Himmel. Die Wolkendecke öffnet sich in der Mitte und gibt eine leuchtende Erscheinung frei. Sie erinnert an religiöse Darstellungen des Heiligen Geistes, kann bei näherer Betrachtung je doch auch als Hummer gelesen werden. Erleuchtung und Abgründigkeit liegen hier nah beieinander, das Spirituelle geht fließend ins Surreale über.
Der Titel verweist auf zwei gegensätzliche Kräfte: den roten und den blauen Lobster. Aigner verwendet die Figur des Krebses häufig als autobiografisches Zeichen, unter anderem in Bezug auf sein Sternzeichen. Der blaue Lobster kann mit der Flasche im Vordergrund in Verbindung gebracht werden und auf Aigners Alkoholkonsum und die damit einhergehende innere Ver änderung hinweisen. Ob seine Inspiration aus höheren Sphären stammt oder aus einem berauschten Zustand bleibt somit offen und verdichtet nochmals den inne ren Spannungsraum dieses Bildes.
Schmankerlwirt
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