Vater oder Friedrich Josef Maria Aigner

Künstler: Matthias Claudius Aigner
Jahr: 2006
Technik: Bronzeguss patiniert mit goldenen Einschlägen
Maße: Höhe: 65 cm

Matthias Claudius Aigner (*1971) ist ein österreichischer Bildhauer, Maler und Zeichner. Er lebt und arbeitet in Linz. Sein Werk ist geprägt von einer reduzierten, konzentrierten Bildsprache und einer kompromisslosen Haltung gegenüber Material und Form.

Im Zentrum seiner Arbeit steht der Mensch. Aigner interessiert nicht das Abbild, sondern das Innere: Spannung, Prägung, Verletzlichkeit. Seine Arbeiten entstehen aus dem direkten Tun und aus der Auseinandersetzung mit dem Material. Leinwand und Farbe ebenso wie Ton, Bronze, Holz, Beton oder Stein leisten Widerstand – und genau dar aus entwickelt sich die Form. Entscheidungen ergeben sich im Prozess, nicht aus einem vorgefertigten Entwurf. Spuren, Brüche oder Unebenheiten bleiben sichtbar und sind Teil der Aussage. Oberfläche und Form bleiben offen, roh und unmittelbar.

Thematisch kreisen seine Arbeiten um Identität, Erinnerung, innere Zustände und das Zwischenmenschliche. Persönliche, mythologische und religiöse Bezüge dienen da bei nicht der Erzählung, sondern der Verdichtung existenzieller Fragen. Aigner sucht nicht Ähnlichkeit, sondern Präsenz. Seine Arbeiten wirken still, konzentriert und gegenwärtig. Sie sind präzise Studien menschlicher Existenz.

In dieser Bronzebüste setzt Matthias Claudius Aigner seinem Vater Fritz Aigner ein persönliches, zugleich künstlerisch reflektiertes Denkmal. Gezeigt wird kein idealisiertes Künstlerporträt, sondern ein Mensch, gezeichnet von Zeit, Erfahrung und gelebtem Leben. Der nackte Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt, die Schultern schmal, der Körper wirkt fragil und roh.

Die Hände sind aktiv in die Komposition eingebunden. Die linke Hand liegt am Brustbein, am Sternum – jenem Ort, den Fritz Aigner in Gesprächen oft als den „Sitz der Seele“ bezeichnete. Die rechte Hand weist nach vorne – die Hand zum Gegenüber, die Hand zum „Du“. In dieser Geste verdichtet sich eine Haltung, die Fritz Aigner sowohl in seiner Kommunikation als auch in seiner Kunst lebte: der Weg vom Ich zum Du. Der Blick richtet sich nach außen, sucht den Kontakt, als wolle die Figur in einen stillen Dialog treten.

Die Oberfläche der Bronze ist rau und unruhig patiniert. Falten, Unebenheiten und Brüche bleiben sichtbar. Sie sind nicht geglättet, sondern bewusst betont. Die Büste wirkt nicht ab geschlossen, sondern wie in einem Zustand des Erinnerns und Reflektierens. Körperliche Ehrlichkeit und Verletzlichkeit sind integraler Bestandteil der Darstellung.

Eine besondere Bedeutung tragen die goldfarbenen Akzente, die sich wie feine Risse oder Narben über Brust und Schulter ziehen. Diese Vergoldungen sind keine dekorativen Zusätze, sondern Ergebnis einer biografischen Geschichte. Das ursprüngliche Modell war ein Zwischenabguss aus Beton, entstanden während der Arbeitsphase eines später vollendeten Auftrags. Dieser Zwischenabguss wurde im März 2008 beim Hurrikan „Emma“ im da maligen Atelierhaus des Künstlers am Weinberg in Offenhausen (Oberösterreich) vollständig zerstört. Das Haus stürzte nahezu in sich zusammen. Gemeinsam mit der Feuerwehr barg Matthias Claudius Aigner die in viele Teile zerbrochene Figur aus den Trümmern.

Auf Bitten seiner Mutter restaurierte er die Büste einige Jahre später. Die Bruchstellen wurden dabei bewusst vergoldet – so auch die Nasenspitze, die nicht mehr vorhanden war. Die Goldstränge zentrieren sich im Brustraum und wirken, als würde der Glanz tief aus Aigners Herzen hervordrängen. Diese Reparaturspuren können gleichsam als Zeichen eines Lebens gelesen werden, das nicht bruchlos verlaufen ist, sondern geprägt war von dessen Erfahrungen.

Die Büste ist damit weniger ein klassisches Denkmal als das Festhalten einer Beziehung. Sie bewahrt Gesten, Haltungen und Denkweisen eines Menschen, der Vater und künstlerisches Vorbild zugleich war. Diese Nähe ist im Werk spürbar. Was gezeigt wird, ist kein Abschluss, sondern der Nachhall eines Gespräches, das längst vergangen ist und dennoch weiterwirkt – vom Ich zum Du.

Schmankerlwirt
Inge & Arni Lummerstorfer

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